Ei schützt sich vor Keimen | ||
Bericht von Gloor Geflügelzuchtschule | ||
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Besonders an Ostern steht das Ei im Zentrum - sowohl bezüglich Symbol- als auch Ernährungskraft. Eine
weitere "wundersame" Eigenschaft des Eies ist indessen noch wenig bekannt: seine Fähigkeit,
sich selber vor Mikroorganismen zu schützen. Schale als Barriere Die Eierschale als erste Barriere kann von Keimen unter ungünstigen
Bedingungen durchdrungen werden, so bei Schalendefekten,
feuchten und schmutzigen Schalenoberflächen oder durch die Sogwirkung bei Temperaturwechseln. Legetrakt-Kontamination Die Keimbesiedlung des Eies im Legetrakt des Huhnes ist statistesch gesehen zwar
selten und nur auf wenige Erreger beschränkt, unter diesen aber ausgerechnet Salmonella
enteritidis (S.E.), die über diesen Kontaminationsweg ins Ei-Innere gelangen kann. Untersuchungen
mit Eiern von S.E.-positiven Herden haben übrigens gezeigt, dass von diesen weniger als 1 Prozent um Innern Salmonellen aufweisen,
die in frischen, S.E.-kontaminierten Eiern gefundenen Keimzahlen mit 20 sehr niedrig waren (zum
Vergleich: für die Auslösung einer Salmonellose beim Menschen sind 100'000 bis 1 Mio. Keime
notwendig), und dass sich die Keime praktisch nie im Dotter, sondern immer nur im umliegenden Eiklar befanden. Schutzfaktor Eiklar
Es ist demzufolge von grosser Bedeutung, ob und wie rasch eine Vermehrung allfällig eingedrungener
oder um Ei vorhandener Keime möglich ist. Die Schutzmechanismen des Eies zielen darauf ab, den Dotter vor einer Keimbesiedlung
zu schützen, da die Dottermasse durch ihren Nährstoffgehalt ein sehr gutes Wachstumsmedium für Keime darstellt. Der Schutz des
Dotters ist deshalb die Hauptaufgabe des Eiklars. Die Wirkungsmechanismen dieses Schutzes sind in der folgenden Zusammenstellung
aufgeführt. Dabei muss allerdings erwähnt werden, dass die genannten Mechanismen nicht gegen alle Keime gleich gut wirken.
Schutzmechanismen.... Das Eiklar verfügt über mehrere Schutzmechanismen gegen die Verbreitung und Vermehrung von Mikroorganismen
im Ei. Das gallertige Eiklar hemmt durch die zähflüssige Struktur die Mobilität der Mikroorganismen. Es hält zudem den Dotter
von der Schale fern, so dass Keime nicht direkt durch die Schale in den Dotter dringen können. Das Eiklar ist arm an Eisen (Fe),
welches von vielen Mikroorganismen für das Wachstum benötigt wird. Nach wenigen Tagen weist das Eiklar einen pH-Wert von
ca. 9.5 auf, welcher für die Keimvermehrung ungünstig ist. Überdies besitzt das Eiklar mehrere Proteinfraktionen, welche
vermehrungshemmende oder keimtötende Eigenschaften aufweisen, die hier aufgeführt seien: - Lysozyml: wirkt bakterizid (löst die Zellwände grampositiver Bakterienauf); - Ovotransferrin (Conalbumin): hemmt mikrobielles Wachstum, indem es das dafür notwendige Eisen bindetl; - Avidin: hemmt mikrobielles Wachstum, indem es das dafür notwendige Biotin bindet; - Ovomucoid: trägt zur Zähflüssigkeit des gallertigen Eiklars bei (siehe oben) und hemmt auch proteinspaltende
Enzyme von Mikroorganismen (weitere Eiklarproteine hemmen ebenfalls Mikrobenenzyme). ... mit Verfalldatum Die Keimzahl von Salmonellen in Eiern bleibt bei 20oC ca. 3 Wochen lang stabil, um erst danach
rasch zuzunehmen. Die Bestimmung der Lebensmitterverordnung, wonach die Eier während den ersten 20 Tagen nicht gekühlt werden
müssen, liegt somit in diesem (befristeten) Selbstschutz des Eies begründet. Sobald der natürliche Selbstschutz in seiner Wirkung
nachlässt, muss das Keimwachstum durch die Kühlung bei 5oC oder weniger gestoppt bzw.gehemmt werden. |